Dienstag, 24. August 2010

Wunder

Immer wieder begegne ich einer Sehnsucht nach Wundern. Man glaubt an einen übernatürlichen Gott und irgendwie sucht man dennoch nach immer mehr Übernatürlichkeit. Die Motive dafür sind sehr verschieden. Manchmal habe ich das Gefühl man sucht eine Art persönliches Gottesbeweis und hofft dadurch die Zweifel auslöschen zu können.
Bei anderen scheint es mir mehr eine Suche nach dem Spektakulären zu sein. Sensationsgeil könnte man das nennen.
Vielleicht, doch das begegnet mir nur selten, möchte man auch andere durch Wunder von seinem Glauben überzeugen.

Das erste Motiv kann ich am ehesten nachvollziehen. Den Wunsch ein Erlebnis zu haben an das man sich in schwierigen Zeit klammern und stützen kann, kann ich gut verstehen. Doch kann ich mit Sicherheit sagen, dass diese Idee eine Illusion ist und in der Realität nicht funktioniert. Ich kann in einem Augenblick erleben wie etwas völlig unmögliches passiert und mich im Nächsten Fragen ob das wirklich echt war. Die Vergangenheit lässt sich nicht greifen und festhalten. Sie ist der Weg der Weg der mich dahin gebracht hat wo ich bin, doch leben, denken, fühlen und glauben tue ich in der Gegenwart.
Wenn ich mir mit einer Axt eine tiefe Wunde ins Bein schlage und diese Wunde 2 Stunden später durch ein Gebet geheilt wird. Macht das meinen Glauben nicht zwangsweise stärker. Mein Bein sieht ja aus wie am Tag zuvor. Vollkommen gesund und unversehrt. Kann ich mich durch einen Blick auf mein Bein von jetzt an von Zweifeln befreien? Wo es doch nichts zu sehen gibt?
Gott erwirbt sich unser Vertrauen, dadurch, dass wir das Wagnis des Vertrauens eingehen und jedes mal neu feststellen, dass es sich gelohnt hat. Vertrauen wächst. Vertrauen ist nicht einfach da, weil ich einen kurzen Moment lang etwas erlebt habe.

Wundergeil. Das kann ich von mal zu mal weniger ausstehen. Da wird fieberhaft nach dem Spektulären gesucht, allerlei wundersame Geschichten aus ferner Vergangenheit oder anderen noch ferneren Ort erzählt. Man bekommt fast den Eindruck als sei es für ein Christen das normalste der Welt und fragt sich warum überall nur nicht in meinem Leben. Und obwohl die Wundererzählungen schon so alltäglich erscheinen, so werden sie immer noch als absolut ungewöhnlich dargestellt. Eine Sehnsucht wird in den Zuhören geweckt, die meist von dem was Wichtig ist und Leben heißt vollkommen ablenkt. Ich frage mich oft was man den wirklich mit diesen Wundergeschichten bewirken möchte. Will man von der Übernatürlichkeit Gottes überzeugen? Will man die Echtheit des Glaubensbeweisen? Will man besser als die öden unspektakulären anderen Christen sein? Oder will man sich selbst davon überzeugen, dass Gott wirklich auf der eigenen Seite steht? Ich weiß es nicht.

Zum dritten Motiv gibt es eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ein Wunder hat keine Überzeugungskraft. Die hat nur der Heilige Geist.


Ich möchte nicht das alltägliche zum Wunder degradieren, wie es manche Prediger versuchen. Auch wenn vieles in unserem Leben (wie Geburten, Nächstenliebe, unwahrscheinliche glückliche Zufälle, die Schöpfung usw.) doch sehr schön und faszinierend ist so sind es doch keine Wunder. Sie geschehen nach den Regeln (z.B. Naturgesetzte) die Gott für diese Welt gesetzt hat. Wunder zeichnen sich dadurch aus, dass eben diese Regeln gebrochen werden.

Am Rande: Viel Wichtiger für meine Beziehung mit Gott waren immer und werden es wohl auch bleiben, die vielen kleinen Kleinigkeiten die ich mit Gott erlebt habe. Doch ich will hier ja nicht von dem Schreiben was wichtiger ist.

Wunder, so scheint es mir, geschehen immer dann wenn Wunder "nötig" sind, wenn Gottes Wille nicht innerhalb der gesetzten Regel durchführbar sind. Gott wird uns immer das zur Verfügung stellen was wir benötigen um seinen Willen zu tun. Sollte ein Wunder nötig sein, so werden wir unser Wunder bekommen. Sollte es nicht nötig sein und nur unserer Unterhaltung dienen, so werden wir es nicht bekommen.
Und da wir in Deutschland ein gutes Gesundheitsystem haben, keine Katastrophen unser Land verwüsten und unseren Glauben in Freiheit ausleben dürfen, so wundert es mich nicht, dass hier weniger spektakulären Wunder gesehen und die "kleinen" Wunder üblicher sind.

Kommentare:

MentalRover hat gesagt…

Pingback: MentaRover Wunder...

mannsven hat gesagt…

Hab den Kommentar vom Menatl Rover noch nicht gelesen, aber zum dritten Punkt, dass Wunder keinen überzeugen, sagt Paulus doch was anderes. Er hat duch Wort, Werke, Wunder und Zeichen und deer Kraft des Geist Gottes evangelisiert.(Römer 15,18+19) Sind meiner Meinung nach noch zwei zu trennende Sachen.

Mindrevolution hat gesagt…

@Mannsven: Ich verstehe nciht genau was du jetzt wovon trennen möchtest.

mannsven hat gesagt…

Ja ok beim näheren Betrachten ergibt das wirklich keinen Sinn :-)