Montag, 28. Februar 2011

Strukturen

Es ist schon irgendwie bizar. Aber die Eigendynamik, die eine Gruppe, wie z.B. die Jugend in unserer Gemeinde ist mir erst in den letzten Wochen so richtig bewusst geworden. Sie ist der Grund dafür warum es so immens schwer ist die Entwicklung einer Gruppe zu steuern.

Auch wenn diese Dynamik immer wieder Frust bei mir auslöst, so bin ich doch beruhigt, dass es sie gibt.

Das Spannende ist Strukturen zu finden die für bestimmte Ziele am besten geeignet sind.
Ein Beispiel an der Gruppe Hauskreis:
(1)Alle kommen, es wird gesungen, gebetet, Bibel gelesen, Andacht gelauscht und diskutiert über die Auslegung eines Textes.
(2)Alle kommen, tauschen sich über die letzte Woche aus und wie es geht, danach wird je nach Stimmung gesungen und/oder gebetet und am Ende kommt (wenn noch Zeit übrig ist) ein „geistlicher“ Teil

Die erste Gruppe deckt das Bedürfnis sich mit anderen Christen über den Glauben auszutauschen und gemeinsam diesen Glauben zu erleben.
In der Zweiten wird es kaum möglich sein die Gruppe zu besuchen ohne sich immer besser kennen zu lernen. Vertrauen und Freundschaft wachsen hier wesentlich schneller.

Das sind zwei Extreme zwischen denen sich alle christlichen Gruppen bewegen. Die Struktur bestimmt den Zweck der Gruppe.. Doch eigentlich wollte ich heute nicht über Hauskreise und Jugendgruppen schreiben.

Gerade liegt mir die Gruppe der Gottesdienstbesuchern mehr am Herzen. Welches Ziel hat der Gottesdienst und was wäre die entsprechende Struktur dazu?

Ich habe noch keine Antwort gefunden, doch dies sind die Aspekte die mir wichtig geworden sind.
(Die Reihenfolge hat keine Bedeutung)

1.Gottesdienst feiern: Ein Godi solle etwas feierliches, frohes und würdevolles haben. Eine Atmosphäre bei der man merkt: Hier passiert gerade etwas wichtiges. Dieser Moment ist heilig.
Meiner Erfahrung nach sind in FeG`s die Inhalte extrem wichtig. Man weiß genau was man glaubt und warum man was macht „Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn“ wäre ein typischer Spruch dafür. Alles was mit Ausdruck und Form zu tun hat ist hingegen höchst variabel und darf ruhig von jedem anders praktiziert werden.
Das traurige Ergebnis ist, dass wir so verlernt haben dem Inhalt eine passende Verpackung zu basteln die dessen Wichtigkeit angemessen widerspiegelt.
2.Gott ehren: Ein Godi in dem Gott nicht geehrt wird ist kein Godi.
3.Gemeinschaft haben: Wir sind Teil einer Gemeinschaft und dabei geht es darum Glauben, Sorgen, Freuden und anderes zu Teilen, dass zu unserem Leben gehört
4.Sünden bekennen: Mich überkommt immer wieder die Ahnung, dass ich nicht der Einzige bin, der erst Mal seine Sünden vor Gott bringen und um Vergebung bitten will, bevor er sich ganz in Gottes Gegenwart begeben will. Gottes Vergebung ist das Herzstück unseres Glaubens.
5.Gott erleben: Als postmoderner Mensch ist mir das Erleben sehr, sehr wichtig. Ich möchte Gott spüren können. „better is one day in your courts than thousends elsewhere“ Wie wahr.


Vielleicht ist es nicht möglich alle diese Aspekte in einer Veranstaltung zu vereinen. Um die einzelnen Punkte noch ein wenig zu veranschaulichen möchte ich ein paar Beispiele aus meinem Leben nennen:

1.Ein Godi im letzten Herbst in unserer Gemeinde: Vorhänge zu, Kerzenlicht, Taizelieder
In einer symbolischen Handlung konnten Godibesucher ein Teelicht nach vorne bringen. (Um was es dabei genau ging weiß ich nicht mehr, aber die Stimmung hatte etwas feierliches)
2.Alles wobei Menschen mit ihrem Herzen bei Gott sind.
3.Zeugnisteile, nachher gemeinsam essen, Gebetsanliegen teilen und gemeinsam dafür beten
4.Abgesehen von entsprechenden liturgischen Gebeten und Liedern habe ich bisher noch keinen Godi erlebt in dem Buße ein Punkt auf dem Ablaufplan des Godis war.
Ich nutze öfters die Gelegenheit in Lobpreiszeiten. Da wünsche ich mir dann auch oft diese Bänke auf denen man sich hin knien kann herbei, wie man sie in katholischen Kirchen findet.
5.Gott am Sonntag-morgen erleben ist eine seltene Ausnahme für mich. (Mit Ausnahme der 3 Monate in denen ich mein Praktikum auf dem Land gemacht habe) Als garantiert sehe ich Gott spürbare Gegenwart nur in den Anbetungsabenden die es einmal im Monat bei uns gibt. Die sind m.M.n. mehr wert als die ganze restliche Gemeindeaktivität zusammen.



Zum Glück geht nicht alles in Gemeinde nach mir. Dennoch sehe ich eine erfolgreiche Suche nach einer zeitgemäßen und dem Anlass angemessenen Gottesdienststrukur als eine der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre an.

Montag, 7. Februar 2011

Resignation

Es ist 10:00 morgens. Ich sitze etwas müde auf der Empore zusammen mit sieben, acht Anderen. Während der Begrüßung von vorne, kommt ein guter Freund, zusammen mit 2 anderen Godibesuchern, die Treppe hinauf. Ich hab ihn jetzt schon 3 Wochen nicht mehr gesehen und weiß gar nicht was gerade so bei ihm los ist. Er scheint heute mal einen seinen guten Tage zu haben. Mit seinem typischen grinsen auf dem Gesicht begrüßt er nach und nach jeden auf der Empore. Mit gedämpfter Stimme tauscht man ein paar scherzende Worte aus, als das erste Lied angesagt wird. Irgendein Lied von 1984. Das Lied würde sich in einer Kapelle mit hohen Steinwänden richtig gut anhören. Hier ist die Akustik grottig und ich habe das Gefühl man sinkt konstant einen Tick zu langsam. Ich habe wie jeden morgen leichte Halsschmerzen und kann gar nicht richtig mitsingen. Ehrlich gesagt habe ich auch gar keine Lust.
Wesentlich lieber würde ich mich mit meinen Sitznachbarn unterhalten und sie fragen, wie es ihnen geht und was sie die letzte Woche so gemacht haben. Mein Versuch den Gottesdienst ernst zu nehmen hindert mich allerdings den Mund auf zumachen. Ich kann aber nicht leugnen, dass die Fragen an meine Sitznachbarn in mir brennen und ich im Moment nichts lieber machen würde als mit ihnen zu quatschen.
Unser verspäteter Gast hat da weniger Hemmungen und schafft es während des gesamten Gottesdienstes keine 2 min am Stück den Mund zu halten.
Es folgen Ansagen. Zwei ältere Gemeindemitglieder, deren Namen mir nichts sagen, liegen im Krankenhaus. Der eine wenn auch sachliche Moment, der der Befindlichkeit unserer Mitmenschen gewidmet ist. Danach werden alle alten Menschen wieder mal mit allen Kranken auf eine Eben gesetzt. Eine Beleidigung für die Alten, wie ich finde.
Nach einem kurzen Werbeblock des Büchertisches (Ich kenne keine Freikirche ohne Büchertisch. Lesen scheint etwas sehr frommes zu sein. Die Geschwister die das machen hab ich auch wirklich gern, aber wenn hat Jesus nochmal aus dem Tempel gejagt?) singen wir noch ein Lied. Es erinnert an das erste. Der klägliche Gesang unten toppt das unsichere Brummen auf der Empore, diesmal um Längen.
Die Predigt beginnt. Es kommt mir vor wie eine Ansammlung nicht ganz fassbarer Richtigkeiten dessen Alltagstauglichkeit mir irgendwie entgeht.
Ich will mit meinen Freunden quatschen! Ich sitze bereits über eine halbe Stunde neben ihnen und weiß immer noch nicht was sie bewegt!!!
Nach der Predigt steht eine Gebetsgemeinschaft an. Ich habe kein Problem damit laut zu beten. Allerdings kann ich nicht einfach so damit beginnen. Ich habe noch nicht das Gefühl das Gott mir zuhört. Nicht das Gefühl, dass ich hören kann was Gott mir sagen will. Nicht das Gefühl zu wissen für was ich beten soll. Nicht die Gewissheit, dass meine Gebete erhört werden.
Um dahin zu kommen bräuchte ich eine halbe Stunde oder länger.
Nach drei Minuten schließen wir mit dem Vater Unser. Ein Gebet, dass mir sehr wichtig ist. Da steckt pure Kraft drin. Heute komme ich mir selbst nicht ganz echt vor, als ich die Verse wie eine Maschine herunterleier.
Es folgt ein Lied, dass ich mag, die Kollekte und der Segen. Innerhalb von 3 Sekunden wir aus der schweigenden, starren Masse die geordnet, ernst und nachdenklich nach vorne guckt ein großer, lebendiger Ameisenhaufen. Alles bewegt sich, alles redet miteinander. Jetzt weiß ich warum wir uns Familie nennen.

Nachwort zur Geschichte:
Es ist eine Spannung die mir überall in Gemeinde begegnet. Was machen wir? Erfüllen wir den Zweck des Treffens (beten, singen, in der Bibel lesen) oder schieben wir das beiseite und geben dem Bedürfnis nach, am Leben des anderen Teil zu haben und das eigene Leben mit ihnen zu teilen.
Ich möchte nicht glauben, dass das ein Widerspruch sein muss, dennoch kommt es mir immer wieder so vor.
2008 konnte man auf diesem blog einen Dialog zwischen mir und Mentalrover verfolgen an dessen Ende die Erkenntnis stand, dass ein Gottesdienst eine Art feierlicher Zeremonie gleichen sollte in der es darum geht Gott zu ehren.
Ich entsinne mich an einen einzigen Gottesdienst innerhalb der letzten 12 Monate dem ich eine feierliche Atmosphäre zuschreiben würde. Ich entsinne mich an keinen Gottesdienst der dazu beigetragen hat Gott zu begegnen. Ich entsinne mich an einen Gottesdienst der dazu beigetragen hat Jesus in meinen Geschwistern zu sehen. Ich entsinne mich nicht an eine Begeisterung für Jesus oder sein Reich. Ich entsinne mich an Vorwürfe, nicht fromm genug zu sein. Ich entsinne mich an viele Momente in denen ich mich leblos gefühlt habe. Ich entsinne mich an Momente an denen ich dachte wir hätten vergessen, dass wir einen großen Gott haben. Ich entsinne mich wie ich langsam resigniert habe und begann mich damit abzufinden. Ich entsinne mich an Momente in denen Gott mir gezeigt hat, dass ER uns/mich nicht aufgegeben hat und immer noch zu uns steht und zu uns redet.



Meine idealistischen Ansprüche an Gott, mich und die Gemeinde haben sich nicht geändert. Ich bin gnädiger mit meinen Geschwistern geworden und gleichgültiger gegenüber Problemen. Die Hoffnung wirklich etwas zu verändern habe ich aufgegeben. Was wäre ich ohne einen gnädigen Gott?

Samstag, 5. Februar 2011

Wenns wichtig wird

Letzten Donnerstag erschien in der Rheinischen Post dieser Artikel hier.

Ich kenne dieses Gemeinde nicht. Allerdings kommt ein Freund von mir aus dem genannt Bund und ich habe ein sehr gutes Bild von dieser Konfession.
Der Artikel hat mich an etwas erinnert. Wenn es wirklich wichtig wird, wird gebetet.

In meiner Gemeinde oder in meiner Jugend kann ich mir den Mund fusselig reden, ich werde kaum jemanden für regelmäßige Gebetstreffen begeistern können. Doch ich bin mir 100% sicher, dass es in dem Moment in dem es brenzlig wird, keine Diskussionen mehr geben wird. Dann wird man füreinander da sein und man wird nicht mehr darüber reden was gerade getan werden müsste. Man wird es tun.
Und für dieses Wissen bin ich sehr dankbar.

Es beruhigt mich auch ein wenig. In meiner Heimatstadt gibt es eine Menge Probleme. Manche davon sind gar nicht so weit von unserem Gemeindehaus entfernt und spielen dennoch im Gemeindeleben keine Rolle. Doch bin ich mir sicher, dass sobald eins dieser Probleme in Berührung mit Gemeinde kommt und Menschen in der Gemeinde mit ihren Lebensumstände Teil der Gemeinschaft werden, wird die Gemeinde darauf reagieren.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Mission

Eben bin ich vom letzten SMD Treffen in diesem Semester gekommen. Eine unserer Sozialpädagoginnen fühlte sich gedrungen ein Schlussresümee mit der Gruppe zu machen. Wie ist es uns in diesem Semester ergangen und was wünschen wir uns für das SS 11 (Sommersemester 2011 für die Nichtstudenten unter uns)

Das vergangende Semester stand unter dem Motto "Mission" Es wurden diverse Menschen eingeladen die an unserer gemeinsamen Abenden zu "Mission" referiert haben.
Missionarische Aktivitäten gab es wohl genauso viel wie in den bisherigen Semestern der Studenten_MISSION_Deutschland

Die heutige Erkenntnis, dass sich seit Oktober niemand in Sichtweite unseres Kreises bekehrt hat und auch niemand der nicht bereits tief im christlichen Glauben verwurzelt ist dazugestoßen, löste allgemeine Unzufriedenheit aus.

Das heutige Thema "Mission und Gebet" veranlasst mich meine Meinund dazu hier kund zu tun.

Mir fallen bei MuG spontan folgende (wahre) Geschichten ein:

Ein 15 jähriges Mädchen in B. bittet Gott um eine Freundin in ihrer Klasse. Sie betet gezielt für ein Mädchen mit dem sie kaum Kontakt hat. Nach einiger Zeit kommt jenes Mädchen auf die 15jährige zu und fragt, ob sie mal mit in ihre Gemeinde kommen dürfe.

Ein Schüler leitet einen Schülerbibelkreis und wird sich plötzlich bewusst, dass dieser Kreis mit dem Abitur seines Jahrgangs der Vergangenheit zugehören wird. In den Ferien betet er täglich für diesen Bibelkreis. Im kommenden Schuljahr wächst der Kreis aus unerfindlichen Gründen um ein vielfaches.


Auf der Liste der Wünsche SS 11 tauchte gleich drei Mal "missionarische Aktionen" auf. Ich verbinde mit diesem Schlagwort die Handtrockener die man in den Toilettenräumen so vieler Gaststätten findet: Viel heiße Luft, aber keine Wirkung

Wenn von Evangelisation/Mission geredet wird, komme ich meist auf das Thema Diakonie. Warum werde ich hier nicht noch einmal erläutern.
Wir müssen aber zugeben, dass wir niemanden bekehren können. Das kann nämlich nur Gott. Folglich muss es doch das wichtigste in der Mission sein mit diesem Gott zu reden.
Ich will aus den oben geschilderten Geschichten lernen. Was lernst du daraus?

Montag, 31. Januar 2011

Januarrückblick

Als ich meinen letzten Jahresrückblick verfasst habe, ist mir aufgefallen, dass ich 2010 weniger geschrieben habe als im Vorjahr. Da ist der Beschluss gefallen nun jeden Monat einen Rückblick zu schreiben. Sehr zukunftsorientiert wie ich finde.
Daher dürft Ihr nun lesen, was ich so grob erlebt habe, welche Fragen mich beschäftigt habe und wie ich mich bei meinem Leben gefühlt habe.

Die erste Januarwoche war von Stress, schlechtem Gewissen und viel Freizeit geprägt. Ich hatte noch Weihnachtsferien und wollte fleißig für meinen Klausuren lernen. Wahrscheinlich habe ich auch weit mehr gelernt als der Großteil meiner Mitstudenten. Effektiv hatte ich dennoch sehr viel freie Zeit und "Ferien" ist sicherlich nicht der falsche Begriff (auch wenn es sich nicht so angefühlt hat)
Dann musste ich plötzlich wieder früh aufstehen um mich zur FH zu quälen. Die Lernphase ging in der Endspurt und ich habe wesentlich mehr gemacht. Diese Zeit war nicht so lustig.
Gleichzeit habe ich angefangen zu überlegen welche Tätigkeit ich später in meinem Beruf konkret machen möchte. Eine schwierige Frage die ich zuerst nicht beantworten konnte und relativ schnell verdrängt habe, weil ich mich auf die Klausuren konzentrieren wollte.
Nach einem SMD-Semester zum Thema Mission habe ich auch angefangen mir zu diesem Thema mehr Gedanken zu machen. Wenn man von der klassischen Zielgruppe der Freunde mal absieht, so sollten meiner Meinen nach religiös Interessierte und Rangruppen im Fokus entsprechender Überlegungen stehen. Zumindest scheinen das die Zielgruppen des NTs gewesen zu sein. Doch wie erreichen wir die? Und wollen wir bestimmte Randgruppen überhaupt?
Beschäftigt hat mich auch das langsame kommen der Jahrgänge '94 und '95
Für mich ist das eine neue, andere Generation, die da bei uns einzieht. Ich bin keine 16 mehr. Was für Fragen habe ich mir in diesem Alter gestellt? Was hat mich in diesem Alter interessiert?

Der 19.1. hat ohne Zweifel den Titel "worst day of the month" verdient. Ein Tag an dem von 5:30 morgens bis 24:00 abends wirklich alles schiefgegangen ist. Inklusive meiner ersten benoteten Klausur.
Am 20. hab ich dann die beiden anderen Klausuren geschrieben und fühlte mich frei. Endlich Ferien!
Das folgende WE war ganz nett. Am Dienstag wurde ich dann richtig krank. So kam es das ich eine Woche lang unter 2 Decken auf unserer Wohnzimmercouch oder im Bett verbracht habe. Selbst lesen war mir zu viel. Das heißt schon was.
Am Sonntag ging es langsam wieder. Abends konnte ich nicht einschlafen, weil ich an meine Aufgaben als Jugendleiter denken musste und gleich ein paar Dinge durchplanen musste. Ein gutes Zeichen.

Montag, 3. Januar 2011

Jahresrückblick

So es ist wieder mal Zeit für meinen Jahresrückblick.
Hmm was ist denn dieses Jahr so alles passier? Irgendwie scheint mir vieles schon so weit weg. Aber so geht es mir irgendwie immer wenn ich an die Vergangenheit denke. Was also möchte ich hier festhalten?

Anscheinend habe ich dieses Jahr gar nicht so viel in meinen blog geschireben. Na gut. Fangen wir traditionel mit der Jahreslosung für das vergangene Jahr an:

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Johannes 14, 1

Zugegebener Maßen fällt mir jetzt genauso wenig zu diesem Vers ein wie vor einem Jahr. Muss ja auch nicht immer alles passen.

Als Student habe ich dieses Jahr begonnen. Genau wie ich es als Student beende. In der Sozialarbeit wird immer sehr großer Wert auf Professionalität gesetzt. Wahrscheinlich gerade, weil vieles so aussieht, als ob man das Meiste auch ohne Studium machen könnte. Ich habe relativ schnell festgestellt, dass die Einstellungen und Sozialkompetenzen in dem Berufszweig mindestens genauso wichtig sind wie Fachwissen und man bei den meisten Arbeitsbereichen nach dem Studium eh nochmal neu anfangen muss zu lernen. Dennoch merke ich langsam, dass ich anscheinend doch eine Menge gelernt habe.
Das erste und zweite Semester waren wesentlich spannender als mein drittes. Es hat sich langsam eine Routine eingeschlichen. Darauf komme ich aber später nochmal zurück.

In Gemeinde und Jugend ist ne Menge passiert: BUJU, Freizeit in Norddeich, ein paar unser weiblichen Jugendlichen sind weggezogen, Jahr der Stille, Gemeindefreizeit, unserer erster Jugendreferent hat angefangen, der nächste Pastor wurde berufen, die Fahrten mit der Jugend in andere Städte und Kirchen hat rapide abgenommen, eine wundervolle Weihnachtsfeier mit der Jugend usw.
Zu viel um überall drauf einzugehen.

Zum ersten Mal habe ich meinen Geburtstag nur in kleinem Kreis gefeiert. Das sollte ich auch festhalten.

Doch nun zu dem aus meiner Sicht spannendsten Teil. Mindrevolution. Metanoia. Wie hat sich mein Denken verändert. Wo habe ich Fragen gestellt und Meinungen korrigiert?

Irgendwann am Anfang dieses Jahres schireb ich, dass ich mir wünsche, dass wir mehr füreinander beten. Seit über einem Jahr ist Sündenbekenntnis ein wichtiges Thema für mich. Ein weiteres Thema das mir sehr am Herzen liegt ist die Diakonie. Das vierte Thema, wahrscheinlich mein Lieblingsthema, ist Gemeinschaft.

Über diese 4 Themen möchte ich schreiben. Fürbitte bedeutet sehr, sehr viel für mich. Daher wünsche ich natürlich auch meinen Freunden, dass sie dort die gleichen schönen Erfahrungen machen wie ich. Das stellte sich allerdings als schwieriges Unterfangen dar. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass sich da was tut, dann kam es mir wieder so vor als wäre dieses Thema den anderen egal. Laut beten wollte man in der Jugend auch nicht. Hätte ich vor 3 Wochen Bilanz gezogen, wäre das Ergebnis wohl nicht so zufriedenstellend gewesen.

Gott hat mir gezeigt, dass ich mit meiner Einschätzung falsch lag. Es wird füreinander gebetet. Meinen Geschwistern ist es auch, wichtig, dass für sie gebetet wird. Allerdings muss auch was wichtiges anliegen, damit sie das äußern. Damit bin ich zufrieden und glücklich.

Sündenbekenntnis finde ich sehr wichtig, weil es uns davor bewahrt falsche Fassaden aufzubauen und es dazu führt, dass Probleme gemeinsam getragen werden können. Das es nur wenige toll finden ihre Probleme der Gruppe zu erzählen und dann zum Seelsorgeopfer zu verkommen habe ich bereits im Sommer verstanden. Es reicht vollkommen aus, wenn man ein oder zwei Personen hat mit denen man seine innersten Probleme teilt. Wer solche Menschen hat ist sehr gesegnet.
Das verschweigen von Schwächen ist auch ein Schutz. Gewisse Punkte aus seinem Leben erzählt man nicht, weil man dort besonders empfindlich ist. Und daher ist es auch gut so, wenn man nicht allen von seinen Kämpfen erzählt.
Mir stellte sich diese Jahr die Frage, ob ich mich auch traue von meinen Kämpfen zu erzählen, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Und ich bin dankbar und wirklich sehr überrascht, wie leicht es mir gefallen ist, als jener Augenblick kam.

Zu meinem Geburtstag habe ich ein Buch mit dem Titel „Gott antwortet anders“ bekommen. Eine Geschichte daraus ist mir besonders in Erinnerung geblieben. 2 junge Christen beschließen in das Unterschichtsgetto ihrer Stadt zu ziehen. Sie haben erkannt, dass es nicht um Wohlstand geht und wählen so bewusst ein ärmeres Leben. In dem Stadtteil angekommen beginnen sie einige Aktionen um die Lebensqualität der Menschen dort zu verbessern.
Nach einem (?) Jahr ziehen sie Bilanz und stellen dabei fest wie paradox ihr Verhalten doch ist: Sie distanzieren sich bewusst von einem wohlhabenden Lebensstil um anderen zu helfen genau diesen Lebensstandart zu erreichen.
Diese (wahre) Geschichte hat mir deutlich gemacht worum es bei Diakonie eigentlich geht und worum es nicht geht.

Gemeinschaft. In den Herbstferien war ich zwei Woche alleine zu Hause. Dabei habe ich erneut feststellen müssen, dass ich nicht für die Einsamkeit gemacht bin. Auch zu diesem Thema hatte ich im Dezember ein gutes Gespräch mit einer lieben Schwester (über facebook^^). Ich werde mehr versuchen mich mit Freunden zu treffen.



Da ich mit meinem Rückblick eh zu spät bin, lasse ich den Ausblick einfach mal weg. Möglichweise werde ich ihn nachtragen.

Montag, 22. November 2010

Mein Tag

6:15 Mein Wecker klingelt zum ersten mal. Ich bin totmüde, komme kaum aus dem Bett. Ich weiß aber, dass ich mir heute nicht allzu viel Zeit mit dem aufstehen nehmen darf. Um 6:24 stehe ich tatsächlich auf. Um 7:29 verlasse ich gehetzt, müde, aber noch rechtzeitig, das Haus. Ich hab meinen grünen, kuschelligen Schal nicht gefunden und musste im meiner Hektik auf einen anderen schwarzen Schal, der unheimlich kratzt, zurückgreifen. Außerdem bin ich nicht dazu gekommen, das Kapitel für den heutigen Tag aus dem Stille-Buch zu lesen (Wir machen derzeit mit unserer Gemeinde ein Projekt beim dem alle 40 Tage lang in einem Buch zum Thema Stille lesen)
Ich komme am Bahnsteig an und stelle fest, dass ich nicht um 7:29, sondern um 7:19 das Haus verlassen habe.
Folglich stehe ich 10 min frierend in der Kälte. Dabei habe ich Kopfschmerzen. Habe ich meine Haare wirklich richtig trocken geföhnt?
7:46 Ich steige am Hauptbahnhof aus. Gönne mir im laufen ein Hustenbonbon gegen meine Halsschmerzen. Ausnahmsweise habe ich sogar das Gefühl, dass die Dinger auch was bringen.
8:04 Ich klingel an der Tür des Sozialpsychatrischen Dienst, dort mache ich zur Zeit mein Praktikum. Im 2. Stock angelangt erfahre ich, dass mein Anleiter sich heute frei genommen hat um in seinem Garten zu arbeiten. Bei der Kälte??
Ich soll mal gucken wie ich mich so beschäftigen kann.
Na gut. Erstmal mache ich mir, wie üblich, einen Tee. Irgendwie schmeckt der heute komisch. Hmm nichts tun ist auch langweilig - zudem ich bin hier an einem Arbeitsplatz. Ich fühle mich falsch, wenn ich hier nicht arbeite.
Ich geh zu den Ordnern mit den Klienten. Bei "St bis Te" habe ich letzte Woche aufgehört. Ich nehme den Ordner und sortiere alle Fälle raus in denen sich in den letzten 10 Jahren nichts getan hat - fast der halbe Ordner.
Das gleiche mit den zwei letzten Ordnern. Ich habe keine halbe Stunde gearbeitet.
Mein Projekt, das ich vor über einem Monat begonnen hatte ist abgeschlossen. Jetzt hatte ich alle Ordner und alle Akten aller Klienten unserer Dienststelle einmal in den Händen. Ich lade den Stapel mit den aussortierten Klienten bei der Dame von der Verwaltung ab. Zu meiner Überraschung stöhnt sie diesmal nicht mit einem scherzhaften Lachen über die „viele Arbeit“.
Zeit für eine Neue Aufgabe. Die gibt es nicht.
Ich muss noch meinen Praktikumsbericht für die Fachhochschule schreiben. Habe ein paar Fragen zur Organisationstrucktur. Die erste Sozialarbeiterin, Frau L., telefoniert gerade, die andere,
Frau B., diktiert einen Bericht über einen Klienten den wir die vorherige Woche besucht haben. Ich warte ein paar Minuten an meinem Schreibtisch. Dann hat man für mich Zeit und ich bekomme meine Antworten. Wieder nichts zu tun.
Ich notiere ein paar Ideen für meine Wunschliste, die mir am Wochenende gekommen sind. Von Frau L. bekomme ich einen Schokoladentee angeboten. Riechen tut er gut, schmecken weniger. Vielleicht liegt das an der Tasse?
10:45 Ein Hausbesuch steht an, eine ältere Dame hat einen Wechsel der Betreuung beantragt. Nichts aufregendes. Ich darf aber mitkommen.
Die Klientin ist Türkin, lebt seit 50 Jahren in Deutschland, ihr deutsch ist gut verständlich, mehr aber auch nicht. Die neue Betreuerin soll türkisch können. Wer das sein soll steht auch schon fest. Alles kein Problem. Das Gespräch war kurz und unkompliziert.
Wir fahren ins Parkhaus von Kaufhof. - Mittagspause. Ich kaufe Batterien für die Funkklingel an unserem Gemeindehaus. Es ist kalt. Ich laufe zurück zum Büro und kaufe mir auf dem Weg ein Schinkenbrötchen.
Im Büro angekommen verbringe ich den Rest der Pause damit ein Buch zu lesen "Gefühle lesen" von Paul Ekman
13:00 Mangels einer Aufgabe (Praktikanten müssen anstrengend sein, wenn sie arbeiten wollen) schlender ich am Nachbarbüro vorbei.
Spontan entsteht ein Gespräch mit Frau L. über Wochenende, Klienten und Anderes. Das Gespräch wird länger, ich setzte mich, nach 10 min kommt Frau B. aus dem dritten Büro dazu. Wir reden bis 14:00 Uhr d.h. ich rede weniger, ich höre zu, liegt mir eh mehr. Die beiden Damen sind über 50 - es fällt mir immer noch schwer ein Gesprächsthema zu finden das uns alle interessiert. So bleibt das Gespräch unterhaltsam, aber oberflächlich.
Als wir das Thema ebay streifen, werde ich gefragt, ob da schon mal was gekauft hätte. Ja, habe ich: Tabeletop-Figuren. Ich darf erklären was das ist. Frau L. wittert eine Idee für ein Weihnachts- oder Abschiedsgeschenk für mich.
Mir ist das etwas unangenehm. Ich habe immer das Gefühl auch etwas verschenken zu müssen, wenn ich etwas bekomme. Mit Ideen tu ich mich da immer schwer. Geschenke für Menschen die keine Wünsche äußern, können mir wochenlang kopfschmerzen bereiten.
14:00 Eine Dame aus dem Erdgeschoss hatte letzte Woche Geburtstag und die Dame aus der Verwaltung feiert heute ihr 40 jähriges Dienstjubiläum.
Daher treffen sich alle Miarbeiter im Erdgeschoss und genießen Kaffee und Kuchen (bzw. Cola und Kuchen).
Das Beisammensein ist sehr fröhlich. Ich genieße es mal nichts sagen zu müssen und bin sehr still. Nach etwa einer Stunde versucht mein redsamer Sitznachbar auch mich ins Gespräch mit einzubeziehen. Das klappt nicht wirklich. Die 8 Kollegen und Kolleginnen sind, mit einer Ausnahme, alle über 55, kennen sich alle schon jahrelang, sind aufeinander eingespielt. Ich bin neu, kenne nicht mal alle Namen und brauche eh immer meine Zeit um in eine Gruppe reinzufinden.
Um 16 Uhr ist die Feier vorbei. Ich mache mich auf dem Weg zu Bahnhof. Zu Fuß - seit man mir hier einmal den Sattel geklaut hat fahre ich kein Rad mehr. Auf dem Weg ärgere ich mich über das potentielle zukünftige Geschenk.
Um 16:35 Uhr nehme ich die Bahn. Mir ist kalt. Zu hause esse ich nochmal ein wenig was. Kartoffelsalat und eine Wurst. Nicht sehr viel.
Ich muss noch meine Wunschliste für Weihnachten abgeben. Mittlerweile habe ich genug Ideen (schwer eine zu finden, wenn man mit dem glücklich ist was man hat).
Das ganze zieht sich hin, nebenbei beantworte ich zwei Emails. Plötzlich ist es halb Sieben. Ich lese das Kapitel aus dem Stille Buch.Es geht darum am Anfang des Tages vom Tag etwas zu erwarten.
Ich packe mein Buch, die Batterien, den Gemeindehausschlüssel und einen Erinnerungszettel ein und fahre mit dem Auto zum Gemeindehaus. Im Rahmen des Stille Projektes haben sich Gruppen gebildet in denen wir über das Buch und die vergangene Woche reden. Der Zettel erinnert mich daran, dass ich mein Sozialrechtbuch, das ich vor 6 Monaten einer Studentin ausgeliehen habe, mir wiederholen wollte. (Mittlerweile hatte ich die Adresse herausgefunden.) Auf dem Weg fällt mir auf, dass ich ja wahrscheinlich bis halb 10 im Gemeindehaus sein werde und es auf dem Rückweg zu spät ist um bei jemandem unangemeldet vorbei zuschauen.
Ich komme an und stelle fest, dass noch niemand da ist. Komisch. Normalerweise ist I. (eine ganz liebe Schwester) schon 45 min früher da und bereit alles vor...
Ich tausche die gekauften Batterien aus und gehe zum Bandraum. Ein Bruder hat heute Geburtstag (auch ganz toller Mensch). Ich wünsche ihm alles gute und will dann nicht weiter bei der Probe stören.
Wo sind die anderen? Ich setzte mich in den Flur und warte. Denke ein wenig über den Tag nach. Ich fühle mich geschafft und erschöpft. Ich habe mir vorgenommen eine viertel Stunde zu warten. Die ist um. Ich gehe zum Auto. Jetzt kann ich auch noch das Buch abholen. Ich will den Navi an der Scheibe anbringen (wer hat den da die Halterung abgemacht?). Es klappt nicht. Das dumme Ding will nicht halten. Mittlerweile bin ich in sehr gereizter Stimmung. Nach gefühlten 40 Versuchen gehts dann doch. Ich will das Gelände verlassen, da kommt mir ein Auto in der Einfahrt entgegen. I., die Schwester die den Abend gestaltet. Was ich denn hier mache? Ich gehe - war ja niemand da.
Aber wir treffen uns doch erst um 8. Ach ja, stimmt... Jetzt kommts mir auch wieder. Ob ich nicht reinkommen will und wir gemeinsam einen Tee trinken wollen.
Nein. Jetzt will ich doch noch schnell das Buch holen. Dann komm ich wieder.
Ich fahre zur eingegeben Adresse und stelle fest, dass die gesuchte Dame ganz in meiner Nähe wohnt. Nur zu Hause ist sie leider nicht.
Jetzt richtig gereizt fahre ich wieder zum Gemeindehaus. Dabei reflektiere ich die vergangene Stunde. Das macht mich nicht glücklicher.
Wieder im Gemeindehaus setze ich mich um 19:45 in unserem Couchraum zur oben genannten Schwester. Wir trinken Tee, wir reden, ich werde langsam ruhiger. Ich merke wie gerne ich hier bin.
Um 8 kommt dann ein älterer (81 Jahre) Bruder, H., dazu. Damit sind wir komplett. Eine Schwester ist krank, mein kleiner Bruder hat zu viel zu tun und beim dem Letzten hab ich den Grund vergessen.
Wir kommen auf den Vers "Wo zwei oder drei in meinem Namen ...usw."
Ich finde es bemerkenswert, dass wir wirklich nur zwei oder drei sind. Da steht ja nicht "mindestens zwei oder drei", wie es sonst oft verstanden wird.
Wir reden über das gelesene der vergangenen Woche. I. will, dass wir gemeinsam beten und Gott für all das danken,. für das wir dankbar sein können. H. erzählt aus seiner Jugend und warum er so dankbar ist. Dann beten wir. Als ich anfange zu reden spüre ich deutlich den Heiligen Geist. Ich bin erfüllt und genieße es einfach.
Der Abend ist vorbei. Wir verabschieden uns mit einer Umarmung.
Während die anderen nach Hause fahren bringe ich die Tassen in die Küche und stelle fest, dass ich die Spülmaschine erst ausräumen muss. Das macht mir nichts. Ich bin richtig gut gelaunt.
Auf der Rückfahrt beschließe ich dass ich diesen Tag schriftlich festhalten möchte und brauche beim einparken in die Garage ca. 15 Anläufe. Aus der Garage hole ich meine grundierten Taptopfiguren und stelle fest, dass ich nicht flächendeckend gesprüht habe. Dann esse ich zu Abend.
Anschließend setze ich mich an den Rechner und schreibe diesen Text hier. Es ist mittlerweile schon nach 12 Uhr. Über 2 Stunden habe ich geschrieben. Morgen, also heute werde ich nochmal drüber lesen und die groben Rechtschreibe- und Grammatikfehler korrigieren.