Montag, 22. November 2010

Mein Tag

6:15 Mein Wecker klingelt zum ersten mal. Ich bin totmüde, komme kaum aus dem Bett. Ich weiß aber, dass ich mir heute nicht allzu viel Zeit mit dem aufstehen nehmen darf. Um 6:24 stehe ich tatsächlich auf. Um 7:29 verlasse ich gehetzt, müde, aber noch rechtzeitig, das Haus. Ich hab meinen grünen, kuschelligen Schal nicht gefunden und musste im meiner Hektik auf einen anderen schwarzen Schal, der unheimlich kratzt, zurückgreifen. Außerdem bin ich nicht dazu gekommen, das Kapitel für den heutigen Tag aus dem Stille-Buch zu lesen (Wir machen derzeit mit unserer Gemeinde ein Projekt beim dem alle 40 Tage lang in einem Buch zum Thema Stille lesen)
Ich komme am Bahnsteig an und stelle fest, dass ich nicht um 7:29, sondern um 7:19 das Haus verlassen habe.
Folglich stehe ich 10 min frierend in der Kälte. Dabei habe ich Kopfschmerzen. Habe ich meine Haare wirklich richtig trocken geföhnt?
7:46 Ich steige am Hauptbahnhof aus. Gönne mir im laufen ein Hustenbonbon gegen meine Halsschmerzen. Ausnahmsweise habe ich sogar das Gefühl, dass die Dinger auch was bringen.
8:04 Ich klingel an der Tür des Sozialpsychatrischen Dienst, dort mache ich zur Zeit mein Praktikum. Im 2. Stock angelangt erfahre ich, dass mein Anleiter sich heute frei genommen hat um in seinem Garten zu arbeiten. Bei der Kälte??
Ich soll mal gucken wie ich mich so beschäftigen kann.
Na gut. Erstmal mache ich mir, wie üblich, einen Tee. Irgendwie schmeckt der heute komisch. Hmm nichts tun ist auch langweilig - zudem ich bin hier an einem Arbeitsplatz. Ich fühle mich falsch, wenn ich hier nicht arbeite.
Ich geh zu den Ordnern mit den Klienten. Bei "St bis Te" habe ich letzte Woche aufgehört. Ich nehme den Ordner und sortiere alle Fälle raus in denen sich in den letzten 10 Jahren nichts getan hat - fast der halbe Ordner.
Das gleiche mit den zwei letzten Ordnern. Ich habe keine halbe Stunde gearbeitet.
Mein Projekt, das ich vor über einem Monat begonnen hatte ist abgeschlossen. Jetzt hatte ich alle Ordner und alle Akten aller Klienten unserer Dienststelle einmal in den Händen. Ich lade den Stapel mit den aussortierten Klienten bei der Dame von der Verwaltung ab. Zu meiner Überraschung stöhnt sie diesmal nicht mit einem scherzhaften Lachen über die „viele Arbeit“.
Zeit für eine Neue Aufgabe. Die gibt es nicht.
Ich muss noch meinen Praktikumsbericht für die Fachhochschule schreiben. Habe ein paar Fragen zur Organisationstrucktur. Die erste Sozialarbeiterin, Frau L., telefoniert gerade, die andere,
Frau B., diktiert einen Bericht über einen Klienten den wir die vorherige Woche besucht haben. Ich warte ein paar Minuten an meinem Schreibtisch. Dann hat man für mich Zeit und ich bekomme meine Antworten. Wieder nichts zu tun.
Ich notiere ein paar Ideen für meine Wunschliste, die mir am Wochenende gekommen sind. Von Frau L. bekomme ich einen Schokoladentee angeboten. Riechen tut er gut, schmecken weniger. Vielleicht liegt das an der Tasse?
10:45 Ein Hausbesuch steht an, eine ältere Dame hat einen Wechsel der Betreuung beantragt. Nichts aufregendes. Ich darf aber mitkommen.
Die Klientin ist Türkin, lebt seit 50 Jahren in Deutschland, ihr deutsch ist gut verständlich, mehr aber auch nicht. Die neue Betreuerin soll türkisch können. Wer das sein soll steht auch schon fest. Alles kein Problem. Das Gespräch war kurz und unkompliziert.
Wir fahren ins Parkhaus von Kaufhof. - Mittagspause. Ich kaufe Batterien für die Funkklingel an unserem Gemeindehaus. Es ist kalt. Ich laufe zurück zum Büro und kaufe mir auf dem Weg ein Schinkenbrötchen.
Im Büro angekommen verbringe ich den Rest der Pause damit ein Buch zu lesen "Gefühle lesen" von Paul Ekman
13:00 Mangels einer Aufgabe (Praktikanten müssen anstrengend sein, wenn sie arbeiten wollen) schlender ich am Nachbarbüro vorbei.
Spontan entsteht ein Gespräch mit Frau L. über Wochenende, Klienten und Anderes. Das Gespräch wird länger, ich setzte mich, nach 10 min kommt Frau B. aus dem dritten Büro dazu. Wir reden bis 14:00 Uhr d.h. ich rede weniger, ich höre zu, liegt mir eh mehr. Die beiden Damen sind über 50 - es fällt mir immer noch schwer ein Gesprächsthema zu finden das uns alle interessiert. So bleibt das Gespräch unterhaltsam, aber oberflächlich.
Als wir das Thema ebay streifen, werde ich gefragt, ob da schon mal was gekauft hätte. Ja, habe ich: Tabeletop-Figuren. Ich darf erklären was das ist. Frau L. wittert eine Idee für ein Weihnachts- oder Abschiedsgeschenk für mich.
Mir ist das etwas unangenehm. Ich habe immer das Gefühl auch etwas verschenken zu müssen, wenn ich etwas bekomme. Mit Ideen tu ich mich da immer schwer. Geschenke für Menschen die keine Wünsche äußern, können mir wochenlang kopfschmerzen bereiten.
14:00 Eine Dame aus dem Erdgeschoss hatte letzte Woche Geburtstag und die Dame aus der Verwaltung feiert heute ihr 40 jähriges Dienstjubiläum.
Daher treffen sich alle Miarbeiter im Erdgeschoss und genießen Kaffee und Kuchen (bzw. Cola und Kuchen).
Das Beisammensein ist sehr fröhlich. Ich genieße es mal nichts sagen zu müssen und bin sehr still. Nach etwa einer Stunde versucht mein redsamer Sitznachbar auch mich ins Gespräch mit einzubeziehen. Das klappt nicht wirklich. Die 8 Kollegen und Kolleginnen sind, mit einer Ausnahme, alle über 55, kennen sich alle schon jahrelang, sind aufeinander eingespielt. Ich bin neu, kenne nicht mal alle Namen und brauche eh immer meine Zeit um in eine Gruppe reinzufinden.
Um 16 Uhr ist die Feier vorbei. Ich mache mich auf dem Weg zu Bahnhof. Zu Fuß - seit man mir hier einmal den Sattel geklaut hat fahre ich kein Rad mehr. Auf dem Weg ärgere ich mich über das potentielle zukünftige Geschenk.
Um 16:35 Uhr nehme ich die Bahn. Mir ist kalt. Zu hause esse ich nochmal ein wenig was. Kartoffelsalat und eine Wurst. Nicht sehr viel.
Ich muss noch meine Wunschliste für Weihnachten abgeben. Mittlerweile habe ich genug Ideen (schwer eine zu finden, wenn man mit dem glücklich ist was man hat).
Das ganze zieht sich hin, nebenbei beantworte ich zwei Emails. Plötzlich ist es halb Sieben. Ich lese das Kapitel aus dem Stille Buch.Es geht darum am Anfang des Tages vom Tag etwas zu erwarten.
Ich packe mein Buch, die Batterien, den Gemeindehausschlüssel und einen Erinnerungszettel ein und fahre mit dem Auto zum Gemeindehaus. Im Rahmen des Stille Projektes haben sich Gruppen gebildet in denen wir über das Buch und die vergangene Woche reden. Der Zettel erinnert mich daran, dass ich mein Sozialrechtbuch, das ich vor 6 Monaten einer Studentin ausgeliehen habe, mir wiederholen wollte. (Mittlerweile hatte ich die Adresse herausgefunden.) Auf dem Weg fällt mir auf, dass ich ja wahrscheinlich bis halb 10 im Gemeindehaus sein werde und es auf dem Rückweg zu spät ist um bei jemandem unangemeldet vorbei zuschauen.
Ich komme an und stelle fest, dass noch niemand da ist. Komisch. Normalerweise ist I. (eine ganz liebe Schwester) schon 45 min früher da und bereit alles vor...
Ich tausche die gekauften Batterien aus und gehe zum Bandraum. Ein Bruder hat heute Geburtstag (auch ganz toller Mensch). Ich wünsche ihm alles gute und will dann nicht weiter bei der Probe stören.
Wo sind die anderen? Ich setzte mich in den Flur und warte. Denke ein wenig über den Tag nach. Ich fühle mich geschafft und erschöpft. Ich habe mir vorgenommen eine viertel Stunde zu warten. Die ist um. Ich gehe zum Auto. Jetzt kann ich auch noch das Buch abholen. Ich will den Navi an der Scheibe anbringen (wer hat den da die Halterung abgemacht?). Es klappt nicht. Das dumme Ding will nicht halten. Mittlerweile bin ich in sehr gereizter Stimmung. Nach gefühlten 40 Versuchen gehts dann doch. Ich will das Gelände verlassen, da kommt mir ein Auto in der Einfahrt entgegen. I., die Schwester die den Abend gestaltet. Was ich denn hier mache? Ich gehe - war ja niemand da.
Aber wir treffen uns doch erst um 8. Ach ja, stimmt... Jetzt kommts mir auch wieder. Ob ich nicht reinkommen will und wir gemeinsam einen Tee trinken wollen.
Nein. Jetzt will ich doch noch schnell das Buch holen. Dann komm ich wieder.
Ich fahre zur eingegeben Adresse und stelle fest, dass die gesuchte Dame ganz in meiner Nähe wohnt. Nur zu Hause ist sie leider nicht.
Jetzt richtig gereizt fahre ich wieder zum Gemeindehaus. Dabei reflektiere ich die vergangene Stunde. Das macht mich nicht glücklicher.
Wieder im Gemeindehaus setze ich mich um 19:45 in unserem Couchraum zur oben genannten Schwester. Wir trinken Tee, wir reden, ich werde langsam ruhiger. Ich merke wie gerne ich hier bin.
Um 8 kommt dann ein älterer (81 Jahre) Bruder, H., dazu. Damit sind wir komplett. Eine Schwester ist krank, mein kleiner Bruder hat zu viel zu tun und beim dem Letzten hab ich den Grund vergessen.
Wir kommen auf den Vers "Wo zwei oder drei in meinem Namen ...usw."
Ich finde es bemerkenswert, dass wir wirklich nur zwei oder drei sind. Da steht ja nicht "mindestens zwei oder drei", wie es sonst oft verstanden wird.
Wir reden über das gelesene der vergangenen Woche. I. will, dass wir gemeinsam beten und Gott für all das danken,. für das wir dankbar sein können. H. erzählt aus seiner Jugend und warum er so dankbar ist. Dann beten wir. Als ich anfange zu reden spüre ich deutlich den Heiligen Geist. Ich bin erfüllt und genieße es einfach.
Der Abend ist vorbei. Wir verabschieden uns mit einer Umarmung.
Während die anderen nach Hause fahren bringe ich die Tassen in die Küche und stelle fest, dass ich die Spülmaschine erst ausräumen muss. Das macht mir nichts. Ich bin richtig gut gelaunt.
Auf der Rückfahrt beschließe ich dass ich diesen Tag schriftlich festhalten möchte und brauche beim einparken in die Garage ca. 15 Anläufe. Aus der Garage hole ich meine grundierten Taptopfiguren und stelle fest, dass ich nicht flächendeckend gesprüht habe. Dann esse ich zu Abend.
Anschließend setze ich mich an den Rechner und schreibe diesen Text hier. Es ist mittlerweile schon nach 12 Uhr. Über 2 Stunden habe ich geschrieben. Morgen, also heute werde ich nochmal drüber lesen und die groben Rechtschreibe- und Grammatikfehler korrigieren.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Notiz

Habe leider nicht hinbekommen einen in sich geschlossenen Post zu verfassen. Ich möchte aber festhalten, dass zur Zeit viel über Einsamkeit und Sehnsucht nachdenke.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Änderung am Link

Meine Zitatesammlung ist nun unter http://gesammeltezitate.blogspot.com/ zu erreichen. Ich habe den Link geändert, da ich Rückschlüsse auf diesen blog hier vermeiden möchte, wenn ich den Zizatelink weitergebe.

Dienstag, 14. September 2010

Stille

Die letzten Tage war ich krank und ich wusste nicht recht, ob ich zum Godi gehen sollte. Schließlich bin ich doch gegangen. Moderation und Predigt wurden von zwei recht andächtigen, ruhigen Menschen gemacht. Ohne sichtbare Spontanität, Leidenschaft und Freude. Überhaupt nicht mein Stil.
Die Predigt endete mit den Worten "...und jetzt haben wir ein paar Momente der Stille". "Schon wieder?" dachte ich. Es folgten 2 Mintuen schweigen.

Ok. Gottes Stimme hatte ich in diesem Godi noch nicht vernommen. Also versuchte ich mich aus dem Geschehen herrauszuziehen und auf Gott zu lauschen. So wie ich es öfters mache, um Gott in unseren Godies zu begegnen. - Da merkte ich wie schwer es mir fiel mitten in diesem stillen, ruhigen Gottesdienst, in der Zeit in der wir still sein sollten, still zu werden.
Es ging nicht. Ich musste erst diesen ganzen Sonntagmorgen loslassen, um überhaupt die Chance zu bekommen Gott zu begegnen.

Nach dem Abendmal gab es eine Gebetsgemeinschaft. Es dauerte überdurchschnittlich lange bis die Erste anfing zu beten. Im Nachhinein zeigt es mir, dass es nicht nur mir schwer fiel in diesem Godi vor Gott zu treten.

Donnerstag, 26. August 2010

Nicht fromm genug

Wir haben zur Zeit einen Jugendrefent in unserer Gemeinde angestellt. Heute haben wir uns getroffen um ein wenig über das kommende Quartal zu reden.

Dabei ist er auf einen Punkt gestoßen über der mich schon vor etwa ein (oder zwei?) Jahren beschäftigt hat. Der Gedanke das wir in unserer Gruppe mehr über unseren Glauben reden sollten. Ich hatte diesen Gedanken für mich schon wieder abgehackt, wurde aber nun wieder darauf hingewiesen.

Es ist schon komisch. Der ganzen Gruppe geht es gut, alle sind glücklich, niemand vermisst was - außer die Mitarbeiter.

Stellt man sich die Frage, ob etwas nicht in der Jugend getan wird, aber getan werden sollte, kommt man automatisch zu dem Zweck der Gruppe. Wofür ist die Gruppe da? Was ist ihr Ziel? Nun das ist bei uns recht einfach: Gemeinschaft

Wenn ich unsere Leute frage was sie sich wünschen und warum sich kommen bekomme ich Antworten wie: Spaß haben, chillen und mit Christen Gemeinschaft haben. Ein kleines wenig "geistliches Programm" sollte auch nicht fehlen.

Der Effekt, den wir mit der Gruppe schaffen gefällt mir sehr. Die Jugend wird für eine Art zu Hause, einen Ort an dem man immer willkommen ist, die Menschen nett sind und für mich interessieren.

Eigentlich kein Grund nicht glücklich zu sein.

Dennoch taucht der Gedanke auf, man müsse mehr "geistlichen Austausch", mehr Gespräch über den Glauben, mehr singen, mehr beten, mehr Bibel lesen, mehr nach dem Glaubensleben des anderen Fragen, mehr Andachten hören und mehr Themen bearbeiten?

Woher kommt dieser Eindruck?

Ein Möglichkeit wäre, dass es einfach für eine freikirchliche Gruppe unüblich ist all diese Punkte so wenig Gewicht zu verleihen. Denke aber nicht, dass das des Rätsels Lösung ist.
Mittlerweile bin ich mir recht sicher, dass sich das hinter dem obigem Gedanken versteckte Bedürfnis sich nicht durch mehr geistliches Programm stillen lässt.
Die Vorstellung jede Woche ein Problem eines Gruppenmitgliedes behandeln zu können oder ein Thema zu finden, dass gerade für eine der anwesenden Person relevant ist und zu einer Veränderung des Lebensstils führt ist jenseits aller Realität.
Ich habe auch noch nie von einer Gruppe gehört in der das passiert sein soll.

Tiefgehende Probleme werden in vertrauten Beziehungen besprochen und nicht in einer Gruppe. Lebensweisende Themen werden zum richtigen Zeitpunkt von Heiligen Geist angesprochen wenn man IHm den zuhört.

Es bliebt nur die Möglichkein der Gruppe ein Thema vorzusetzten, dass sie zu behandeln haben.
Aber gerade das möchte ich vermeiden. Ich möchte Angebote machen, keine Vorgaben. Es kommt mir so vor, als ob der Gruppe etwas übergestülpt wird. Zu oft hatte ich selbst das Gefühl etwas vorgesetzt zu bekommen, das mich gar nicht interessiert.
Und gerade dieser Eindruck von nicht-echt-sein oder Irrelevantz der Themen scheint die Menschen am meisten zu stören, die ich am meisten in der Gruppe haben möchte.

Die meisten Bücher mit Themenvorschlägen oder vorgefertigten Themeneinheiten triefen so vor Frommigkeit, dass man sie nicht schief halten darf weil sonst die Frommigkeit sonst rausläuft. Ich bin mittlerweile richtig allergisch dagegen.


Zu denken das Glaubensleben unserer Jungs und Mädels hinge schief, weil sie nicht vor Vorschlägen an frommen Themen sprudeln und man mit ihnen auch über andere Themen als über Gott reden kann halte ich für einen Fehlschluss.

Redet man mit ihnen, so kann man feststellen das alle von ihnen dem Glauben eine hohe Bedeutung in ihrem Leben geben. Alle auf ihre Weise ihren Weg mit Gott gehen oder suchen. Spricht man alltagsrelevante Themen an so prüfen sie sofort, ob sie etwas an ihrem Leben ändern sollten. Es spielt sich halt nur nicht im öffentlichen Rahmen der Jugend ab. (Ähnlich wie die Diakonie in unserer Gemeinde)


Dennoch bleibt bei mir das Gefühl das etwas fehlt. Dieses Gefühl lässt sich nicht wegdiskutieren. Dieses Gefühl ist der Ursprung für den Wunsch nach mehr Austausch über den Glauben.
Was also genau fehlt?

Ich habe überlegt wofür Gemeinschaft der Gläubigen da ist und bin zu folgenen Schluss gekommen: Zur Gemeinschaft gehört es, sich gegenseitig im Glauben zu ermutigen.

Ich merke, dass diese Lösung stimmt. Gleichzeitig merke ich, dass ich nicht wirklich weiß, was ich mir unter "im Glauben ermutigen" vorstellen soll.


P.S. Wir schlagen vor in Zukunft am Ende der Jugend immer füreinder zu beten. Wahrscheinlich nicht die Lösung der Problems aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Dienstag, 24. August 2010

Wunder

Immer wieder begegne ich einer Sehnsucht nach Wundern. Man glaubt an einen übernatürlichen Gott und irgendwie sucht man dennoch nach immer mehr Übernatürlichkeit. Die Motive dafür sind sehr verschieden. Manchmal habe ich das Gefühl man sucht eine Art persönliches Gottesbeweis und hofft dadurch die Zweifel auslöschen zu können.
Bei anderen scheint es mir mehr eine Suche nach dem Spektakulären zu sein. Sensationsgeil könnte man das nennen.
Vielleicht, doch das begegnet mir nur selten, möchte man auch andere durch Wunder von seinem Glauben überzeugen.

Das erste Motiv kann ich am ehesten nachvollziehen. Den Wunsch ein Erlebnis zu haben an das man sich in schwierigen Zeit klammern und stützen kann, kann ich gut verstehen. Doch kann ich mit Sicherheit sagen, dass diese Idee eine Illusion ist und in der Realität nicht funktioniert. Ich kann in einem Augenblick erleben wie etwas völlig unmögliches passiert und mich im Nächsten Fragen ob das wirklich echt war. Die Vergangenheit lässt sich nicht greifen und festhalten. Sie ist der Weg der Weg der mich dahin gebracht hat wo ich bin, doch leben, denken, fühlen und glauben tue ich in der Gegenwart.
Wenn ich mir mit einer Axt eine tiefe Wunde ins Bein schlage und diese Wunde 2 Stunden später durch ein Gebet geheilt wird. Macht das meinen Glauben nicht zwangsweise stärker. Mein Bein sieht ja aus wie am Tag zuvor. Vollkommen gesund und unversehrt. Kann ich mich durch einen Blick auf mein Bein von jetzt an von Zweifeln befreien? Wo es doch nichts zu sehen gibt?
Gott erwirbt sich unser Vertrauen, dadurch, dass wir das Wagnis des Vertrauens eingehen und jedes mal neu feststellen, dass es sich gelohnt hat. Vertrauen wächst. Vertrauen ist nicht einfach da, weil ich einen kurzen Moment lang etwas erlebt habe.

Wundergeil. Das kann ich von mal zu mal weniger ausstehen. Da wird fieberhaft nach dem Spektulären gesucht, allerlei wundersame Geschichten aus ferner Vergangenheit oder anderen noch ferneren Ort erzählt. Man bekommt fast den Eindruck als sei es für ein Christen das normalste der Welt und fragt sich warum überall nur nicht in meinem Leben. Und obwohl die Wundererzählungen schon so alltäglich erscheinen, so werden sie immer noch als absolut ungewöhnlich dargestellt. Eine Sehnsucht wird in den Zuhören geweckt, die meist von dem was Wichtig ist und Leben heißt vollkommen ablenkt. Ich frage mich oft was man den wirklich mit diesen Wundergeschichten bewirken möchte. Will man von der Übernatürlichkeit Gottes überzeugen? Will man die Echtheit des Glaubensbeweisen? Will man besser als die öden unspektakulären anderen Christen sein? Oder will man sich selbst davon überzeugen, dass Gott wirklich auf der eigenen Seite steht? Ich weiß es nicht.

Zum dritten Motiv gibt es eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ein Wunder hat keine Überzeugungskraft. Die hat nur der Heilige Geist.


Ich möchte nicht das alltägliche zum Wunder degradieren, wie es manche Prediger versuchen. Auch wenn vieles in unserem Leben (wie Geburten, Nächstenliebe, unwahrscheinliche glückliche Zufälle, die Schöpfung usw.) doch sehr schön und faszinierend ist so sind es doch keine Wunder. Sie geschehen nach den Regeln (z.B. Naturgesetzte) die Gott für diese Welt gesetzt hat. Wunder zeichnen sich dadurch aus, dass eben diese Regeln gebrochen werden.

Am Rande: Viel Wichtiger für meine Beziehung mit Gott waren immer und werden es wohl auch bleiben, die vielen kleinen Kleinigkeiten die ich mit Gott erlebt habe. Doch ich will hier ja nicht von dem Schreiben was wichtiger ist.

Wunder, so scheint es mir, geschehen immer dann wenn Wunder "nötig" sind, wenn Gottes Wille nicht innerhalb der gesetzten Regel durchführbar sind. Gott wird uns immer das zur Verfügung stellen was wir benötigen um seinen Willen zu tun. Sollte ein Wunder nötig sein, so werden wir unser Wunder bekommen. Sollte es nicht nötig sein und nur unserer Unterhaltung dienen, so werden wir es nicht bekommen.
Und da wir in Deutschland ein gutes Gesundheitsystem haben, keine Katastrophen unser Land verwüsten und unseren Glauben in Freiheit ausleben dürfen, so wundert es mich nicht, dass hier weniger spektakulären Wunder gesehen und die "kleinen" Wunder üblicher sind.

Samstag, 21. August 2010

Die Zweite Freizeit (Urlaub?) mit unserer Jugendgruppe

Anfang der Sommerferien waren wir mit unserer Jugendgruppe in einem schönen Touristendorf an der Nordsee. So haben wir mit 5 Mädchen und 8 Jungs auf einem Grundstück einer Pfingstgemeinde für ein paar Tage gezeltet.
Als werdender Sozialpädagoge, aber auch als begeisterter Jugendleiter fühle ich mich gedrängt eine Reflexion zu schreiben.
Insgesamt kann man die Freizeit wohl als gelungen bewerten: Die Atmosphäre war durchweg gut und viele sind so begeistert, dass sie sich eine Wiederholung in nächsten Jahr wünschen.

Sollte ich diesen Tagen einen Bibelvers zuordnen, so würde ich Joh 16,35 wählen: An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.

Zuerst habe ich gelernt, dass ich eines meiner in Psychologie gelernten Modelle über den Haufen werfen kann - zumindest für Freizeiten deren Teilnehmer sich größtenteils aus meiner Jugendgruppe stammen.
Die Tagesstruktur passte richtig gut und brauch nicht verändert werden. Auch Absprachen, Diskussionen und Abstimmungen verliefen sehr konstruktiv und freundlich.
Die Tagesrhythmus sah im übrigen so aus:
Zwischen 9 und 10 aufstehen, fertig machen, Losungen lesen, und frühstücken, Tagesprogramm, Mittagsessen wurde irgendwo dazwischen geschoben, Abendessen, Filme gucken (meist Scrubs)
Das Tagesprogramm wurde am Abend vorher oder am Vormittag beschlossen.
Insgesammt haben wir wohl einen sehr hohen Erholungseffekt bei allen erzielen können.
Erholung ist etwas heiliges (denke ich). Genauso heilig wie die gute Gemeinsschaft die wir hatten (zumindest bis Montag - aber darauf komm ich später).
Doch "Reicht" Erholung? Hätte mehr "geistliches Programm" gemacht werden müssen? "Geistliches Programm" waren neben Tischgebeten, den Losungen, mit denen wir kaum was anfangen konnten (sehr schade, da ich schon oft erlebt hatte, wie die Losungen in meine aktuelle persönliche Situation passten) und der Gottesdienst unserer Gastgemeinde, der von einer überlangen Predigt (Gastprediger) zerstört wurde.
Ich denke schon, dass mehr passiert ist.
Wo (größtenteils) Christen sind läuft der Glaube automatisch hin und wieder kurz in die Gespräche mit ein und Gemeinschaft und Erholung sind m.M.n. sehr christlich.
Wir haben über eine Staffel Scrubs geguckt, dessen Wertevermittlung und Schlussresümees am Ende der Folgen mehr Inhalt hatten als viele, viele Andachten, die ich gehört habe.
Besonders hervorheben möchte ich allerdings einen überaus guten Freund von mir, der mich durch sein Verhalten daran erinnert hat, warum er die Jugend mal mit mir zusammen geleitet hatte.
Er hat nicht nur die Gabe zu Begeistern und zu Motivieren, sondern auch ganz natürlich mit Menschen über die wichtigen Themen ihres Lebens ins Gespräch zu kommen. Etwas das mir nur selten gelingt. Den Wert zahlreicher 4 Augengespräche die in diesen Tagen geführt wurden kann man nur schwer überschätzen.

Es hat sich also einiges getan. Nur halt mehr unter der Oberfläche und außerhalb der üblichen frommen Formen die in unseren Gemeinden so gerne gesehen werden.
Dennoch möchte ich an dem Punkt "geistliches Programm" in Zukunft noch ein wenig drehen. Hier lässt sich noch mehr rausholen.
Beim nächsten Mal werden wir die Losungen weglassen und stattdessen
wird jeder Teilnehmer einen Abschnitt aus der Bibel vorlesen, den er/sie rausgesucht hat.
Da wir nächstes mal hoffentlich nach Griechenland oder in die Schweiz fahren, werden wir unserer Godi selber machen müssen. Das wir sicher auch interessant. Dann werde ich die Lieberbücher hoffentlich nicht umsonst mitnehmen.

Was beim nächsten Mal auf jeden Fall anders laufen muss ist die Geldkalkulation. Wir gaben wiet weniger aus als berechnet und viele hatten dennoch das Gefühl finanziell an ihre Grenzen gekommen zu sein. Und die Tatsache, dass mehr als die Hälfte vorher abreisen musste. Die Abreisenden haben die Abreise sehr bedauert und es ergab sich leider eine Gruppenkonstellation die ich als sehr ungünstig erlebt habe und letztendlich wohl auch der Grund war, warum wir einen Tag früher die Heimreise antraten (in einstimmiger Entscheidung).

Kommen wir zur letzten Frage: Was bleibt?
Schöne Erinnerungen, zahlreiche Fotos auf facebook, weitere Erfahrungen für mich als Jugendleiter, ein gemeinsamer Entschluss in einem meiner Vieraugengespräche und vielleicht ein paar weitere sporadische Besucher unserer Jugend. - Klingt nach sehr viel für die paar Tage.

Und jetzt mach ich mich mal an die Planung fürs nächste Jahr.